06. Januar 2010 - 17:41 Uhr

Wer heute beispielsweise einen Film als Blu-ray kauft und auf seinem Smartphone (oder auf der Blu-ray freien Zone der Apple Computer) anschauen möchte, hat es nicht allzu leicht: Zunächst gilt es Kopierschutzmechanismen auszuhebeln, Videodaten umzukonvertieren und vor allen Dingen gegen geltendes Urheberrecht zu verstoßen. Eben dann, wenn man seinen ehrlich erworbenen Filmgenuss auf einer anderen Plattform erleben möchte, als auf der, für den er vertriebsseitig angedacht war. Die Filmindustrie hat in Zeiten von Mediaservern in den Wohnzimmern und dem anhaltenden Downloadtrend über Plattformen wie iTunes oder Videoload inzwischen soetwas wie ein Verständnis für die Bedürfnisse der Verbraucher entwickelt und kündigt Services an, die die “Interoperabilität” von Inhalten sicherstellen sollen. So zum Beispiel Disneys DRM-Dienst KeyChest, der Ende 2010 an den Start gehen soll.

Interoperabler Filmgenuss
Die individuellen DRM-Daten, also die einmalige Kennung eines Films und was damit gemacht werden darf, soll dann für jeden über das System erfassten Film in der Cloud gespeichert werden – unabhängig davon, ob auf einem Medium erworben oder legal heruntergeladen. Sobald ein solcher Film zum Beispiel von der Blu-ray Disc auf den heimischen Medienserver oder das Handy kopiert werden soll, wird eine Verbindung mit dem Cloud Computing-Service hergestellt und die DRM-Kennung abgeglichen. Der Kunde kann – sofern von Seiten des Rechteinhabers nichts dagegen spricht – seine Kopie plattformübergreifend erstellen.

Disney macht KeyChest – macht jemand mit?
KeyChest ist eine Initiative, die im Medienkonzern Disney entwickelt wurde und die genau dies leisten soll. Kelly Summers, Disneys Vizepräsidentin für den digitalen Vertrieb, gab heute erste Fakten im Vorfeld der am 7.1. regulär startenden Consumer Electronic Show (CES) bekannt. Darin auch einen möglichen Starttermin gegen Ende diesen Jahres. Über mögliche Partner schwieg sich Summers aus, verwies allerdings darauf, dass man im Umfeld der CES die Gespräche mit Partnern intensivieren wolle. Eine Partnerschaft der Unternehmen Disney und Apple, welches durch Steve Jobs Sitze in beiden Führungsetagen miteinander verwoben sind, erscheint nicht unwahrscheinlich.
Doch auch Summers weiß: Ein nur von wenigen getragenes DRM-System macht begrenzt Sinn.

Der Schlüsselkasten der anderen
Daher ist es zwingend notwendig, dass das System entweder kompatibel zum Digital Entertainment Content Ecosystem ist oder sogar als Bestandteil in dieses eingegliedert wird. DECE ist eine sehr ähnliche Initiative unter der Federführung von Disneys Wettbewerbern Warner, Universal, Sony, Paramount und Fox, die nicht nur von den großen Filmstudios, sondern auch von Unterhaltungselektronikherstellern wie Panasonic und Microsoft (aber eben nicht von Apple) unterstützt wird.

Möglicher Formatstreit
Sollte keine Kompatibilität zwischen den Systemen hergestellt werden können, droht der Branche ein Formatstreit, ähnlich wie wir ihn in jüngerer Vergangenheit zwischen den HD-Medien Blu-ray und HD-DVD erleben konnten. Oder dass erst mal alles so bleibt, wie es ist: Nicht gerade kundenfreundlich.

Verwandte Videos und Artikel:
- Trendpiraten.tv Episode 3: Cloud Computing
- Cloud Computing? Einfach ausprobieren

Geschrieben von AND \\ Tags: , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Abonnieren