11. November 2009 - 11:51 Uhr
Bada ist bald da: Samsungs quelloffenes Mobile OS

Bada ist bald da: Samsungs quelloffenes Mobile OS

Gestern abend hats ein mächtiges Bada-Bumm gegeben: Samsung, derzeit zweiterfolgreichster Handyhersteller, gab bekannt, in Zukunft mit einem eigenen, offenen Handybetriebssystem mitmischen zu wollen. Bislang fuhren die Südkoreaner mehrgleisig und boten Handys sowohl mit einem eigenen, auf Java basierenden System an, als auch mit den leichter erweiterbaren Fremdsystemen Windows Mobile, Symbian, Android und zuletzt auch Linux Mobile. Und jetzt kommt eben ein eigenes System mit dem auch kinderzungentauglichen Namen Bada. Ist das eine spannende Meldung? Ja, denn nun will Samsung selber die Zügel in die Hand nehmen.

Denn eines ist klar: Windows Mobile und Symbian stellen zwar recht flexible und mächtige Plattformen für Handyinnovationen dar, doch sind die beiden Platzhirsche nach wie vor zu träge, um sich den Herausforderungen einer Touchscreenbedienung befriedigend stellen zu können. Zudem verschlingt ihr Einsatz Lizenzkosten. Der unter der Schirmherrschaft von Google in der Open Handset Alliance entwickelte Gegenentwurf Android birgt eben diese Hemmnisse nicht, nutzt aber vor allem seinem Schirmherrn. Denn: Jede Installation bringt die Google Programmwelt aus Suchmodul, Mail, Kalender, Chrome und Maps frei Haus mit und deren obligative Nutzung füttert weiterhin die Datensammlung Googles, welche die Grundlage seines Geschäftsmodells, das Angebots individuell zugeschnittener Werbung, darstellt. Die funktionelle und programmtechnische Erweiterung eines Android, Symbian oder Windows Mobile Phones setzt die Nutzung der jeweiligen Appstores voraus. So praktisch und einfach das für den Nutzer sein mag, so wenig bringt es Samsung: Nämlich gar nichts.

Die Einführung eines eigenen, quelloffenen OS ist da nur konsequent. Hiermit hat Samsung alle Zügel in der Hand und verdient – Apple hat es wunderschön vorgemacht – nicht nur kurzfrtistig am Verkauf der Hardware sondern langfristig an den Apps, die sich die Nutzer hoffentlich scharenweise aus dem Appstore herunterladen. Ob das Kalkül aufgehen wird hängt neben dem Wohlwollen der Nutzer an einer Reihe Faktoren:
1. Dem Wow-Faktor der Plattform. Nur wenn das System nutzerseitig einfach zu bedienen ist und eben diese Bedienung auch Spaß macht – sei es durch neue Features, sei es durch seinen durchdachten Aufbau, kann es zum Erfolg werden und den Verkauf der Handyhardware positiv beeinflussen.
2. Der Easy-Faktor. Dass die Programmierer dieser Welt gerne Apps für Bada programmieren, setzt ein gutes Software Development Kit, vorbildlichen Developersupport und eine schlanke Programmierung der Plattform voraus. Andernfalls erleidet Samsung ein Fiasko mit seinem System wie seinerzeit Sony zur Einführung der PS3. Spieleentwicklern war das System einfach zu kompliziert und unflexibel, so dass die Spielkonsole mit deutlich weniger Titeln an den Start gehen musste, als geplant.
3. Der Cash-Faktor. Money talks und sowohl die Verbraucher als auch die Entwickler werden lauschen. Nur wenn der Revenue Share passt, also der prozentuale Anteil am Verkauf einer App über die Verkaufsplattform von Samsung auch vom Entwickler als gerecht empfunden wird und die Preise für den Nutzer in einem Bereich liegen, die ihn zu Spontan- und Impulskäufen anreizen, kann das ganze Modell funktionieren.

Fazit: Es wird spannend zu beobachten, was Samsung – inzwischen mit einiger Marktmacht ausgestattet – tun wird, um Bada (koreanisch für “Ozean”) zu pushen und zum Erfolg zu führen. Wie die Plattform aussieht und wie sie sich anfühlt, werden wir bereits in wenigen Monaten erfahren. Samsung plant eine Markteinführung im Jahr 2010. Bada wird das bisher in vielen Geräten eingesetzte Java-Betriebssystem ersetzen. Zwischen Dezember 2009 und Juni 2010 können sich Entwickler miteinander in einem internationalen Wettstreit messen. Dem Gewinner winkt eine Prämie, dem Veranstalter ein bunter Strauss Apps.

Geschrieben von AND \\ Tags: , , , ,

8 Kommentare zu “Bada-Bumm: Samsung präsentiert neues Mobile OS”

Werner Keil sagt:

“bisher eingesetztes Java Betriebssystem”, was ist dass für ein Blödsinn?!!;-/

Das eizige “Java Betriebssystem” ist wohl Android, da viele Teile des Systems direkt aus Java Code heraus ansprechbar sind. Alle anderen Systeme sind entweder Linux (auch Android modifiziert), Symbian, Apple OS, Palm (Web)OS oder Windows Mobile.

Java läuft auf einigen davon, hat aber mit OS Nichts zu tun.

Werner Keil
Executive Committee Member
Java Community Process

AND sagt:

Vielleicht von mir zu stark vereinfacht dargestellt. Das bisherige Betriebssystem vieler Samsung Handys wie Samsung Jet S8000 oder S8300 UltraTouch ist weder Android, noch Windows Mobile, noch LiMo, noch Symbian, noch WebOS und natürlich auch nicht Apples stark abgespecktes OS X für den Mobilgebrauch. Nehmen wir also den Zusatz “proprietäres OS mit Java-Elementen in der Darstellungsebene” hinzu.

Pupp sagt:

Ihr scheint ja viel Ahnung zu haben… Ich hab mal ne Frage, wenn ich mir jetzt ein jet S8000 kaufe, das ja ein proprietäres Betriebssystem hat, würde ich dann auch apps über dieses bada-sytem runterladen können oder werden dann erst wieder handys von samsung hergestellt, die dieses Betriebssystem nutzen können?

AND sagt:

Hallo Pupp,

es kann sein, dass Samsung Bada auch als Standalone-Software anbietet (z.B. später als Update, wie aktuell bei der iPhone-Software), wenngleich dies nicht sehr wahrscheinlich ist. Allerdings ist die Frage, wie man das neue, fremde System auf das Handy draufbekommt. Zumindest ist es meines Wissens bei keinem anderen Handy möglich, zwischen Handybetriebssystemen zu wechseln und z.B. ein Windows phone in ein Symbian-Handy umzuwandeln. Aber warten wir mal ab was kommt: Bisher ist außer ein paar Screenshots des neuen Systems, einem groben Erscheinungsdatum neuer Handys mit bada und ein paar unscharfen Presseinfos noch nicht viel bekannt.

Relaxer sagt:

Mit Java Plattformen oder besser gesagt Betriebssystemen ist das Samsung S8000 Jet gemeint was eine reines Java Handy ist.

DerStefanAusBerlin sagt:

Also wirklich, Freunde. Wenn Reality Bytes hier schon Marketing Aktivität für Samsung startet, dann schreibt bitte nicht so nen Vollschrott hier rein!

Java ist eine Technologie. Bada ist eine Plattform. Android ist ein Linux-Betriebssystem. Auf diesem System läuft eine Dalvik-VM, die proprietären Bytecode interpretiert, der aus Java-Quellen heraus erzeugt wird. Android hat damit eigentlich genauso wenig mit Java zu tun wie .NET, aber es sieht sehr ähnlich aus (Google weist nur an wenigen Stellen darauf hin). Im allgemeinen Samsung-Marketinggewäsch werden Geräte wie das S8000 oder auch das 8300 oder meinetwegen Corby oder F480 als “Java-Handys” bezeichnet, weil auf ihnen eine “echte” J2ME JVM läuft (und damit wirklich, “echtes” im Sinne von Sun/JCP) und sie damit kompatibel zu “Java”-Software sind (gemeint sind MIDP Midlets). Sie laufen aber auf einem hochgradig geschlossenen System (für das Samsung manchmal das Kunstwort SHP nutzt) und für das man gnädigerweise innerhalb des Innovator-Programms mittlerweile sogar HTML-Widgets programmieren darf – allerdings nur mit sehr begrenzter öffentlicher Doku…

Bada hat mit Java überhaupt nichts mehr zu tun, sondern erlaubt – den ersten Eindrücken zufolge – via bislang noch nicht fixierter IDE (Eclipse hab ich oft gehört, Visual Studio in letzter Zeit aber immer häufiger) die Entwicklung plattformnativer Komponenten in C++. Die SDK-Docs sind bereits frei zugänglich (bada.com/developer oder so), IDE und SDK-Tools gibts momentan nur für Partner9.

Meines Wissens wird es keine J2ME-Engine für bada geben, aber da die Plattform so offen ist, dürfte man ggf. mit einer rudimentären Implementierung rechnen können, wenn so etwas überhaupt noch gewünscht wird. Manchmal habe ich den Eindruck, das iPhone hätte bei seiner Vorstellung die Festplatten in den Hirnen der mobilen Software-Welt formatiert – der seit 10 Jahren etablierte Applikationsstandard MIDP ist jedenfalls dank Steve Jobs gerade scheintot – und mit ihm imho ne Menge gut ausgebildete Programmierer.

AND sagt:

Stefan, vielen Dank für Deine Ausführungen. Allerdings empfehle ich Dir, den Artikel tatsächlich zu lesen und nicht nur zu überfliegen. Es wurde mit keinem Wort behauptet, dass Bada, Android oder andere mobile OS auf Java basieren.

Übrigens: “Marketing” machen wir in anderen Kanälen und nicht bei Trendpiraten.

AND sagt:

Kleine Randbemerkung: Kollege Milani machte mich gerade darauf aufmerksam, dass es in der Entwicklergemeinschaft Bestrebungen gibt, Bootloader und mehr als ein Betriebssystem auf ein Smartphone zu bekommen.Aktuell ist man dabei, dass Windows Mobile-Phone HTC HD2 über den Gen.Y DualBOOT um Android zu bereichern. Pupps Wunsch könnte also gegebenenfalls Wirklichkeit werden – sofern man nicht davor zurückschreckt, tief in das programmierte Innenleben seines Handys einzudringen und sich über die vom Hersteller gesteckten Grenzen hinwegzusetzen.

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