
Endlich erhalten Pornos mehr Dimensionalität
Pornografie ist so eine Sache für sich: Niemand konsumiert sie, aber dennoch ernährt sie eine der größten und umsatzstärksten Branchen der Welt. Alleine in den USA werden mit Machwerken gynäkologischer Detailverliebtheit angeblich mehr Gewinne erzielt, als in der zusammengenommenen Film- und Musikbranche. Neben dem Schauwert solcher Zahlen und solcher erotischen Produkte begeistert die Intimakrobatikindustrie aber auch als Trendsetter.
Halten wir mal ohne mit der Wimper zu zucken fest: Kaum eines der populären Massenmedien wäre ohne Pornos so etabliert, wie es heute ist. Buchdruck als Massenprodukt? Konnte sich z.B. im Japan der Edo-Zeit erst durchsetzen, als findige Kaufleute versaute Storys und schlüpfrige Bildchen massenhaft reproduzierten. Aus dem Medium der Reichen und Gelehrten war eine absatzstarke Inspirationsquelle für Erwachsene geworden (und nebenbei auch einer der Ur-Väter der Manga-Comics), die durch ihre massenhafte Auslieferung erschwinglich wurde.
Potenter Anschub für Videokassetten
Als in den späten siebziger Jahren die Videoformate VHS, Betamax und Video 2000 um die Käufergunst buhlten, setzte sich das Format durch, dessen Lizenzgeber nicht das Angebot von Hardcore-Kauf- und Leihkassetten verteufelten. Das Ergebnis: VHS, das qualitativ minderwertigste Format, wurde zum Massenmedium und sorgte in den Folgejahren für ein Sterben der Pornokinos, da nun jeder die Körperkunst anderer in der Gemütlichkeit der eigenen vier Wände bewundern konnte.
Weltweite Vernetzung für die textilarme Freizeitgestaltung
Die Kopulationsfilmindustrie erkannte auch schon früh die Möglichkeiten des Webs, welche den Abnehmern noch anonymeren Konsum der pinken Ware ermöglichte und das peinliche Ausleihen von Anschauungsmaterial in der Videothek ersparte. Heute können die sogenannten Schmuddelseiten zusammengenommen drei mal so viele Einzelbesucher verzeichnen, als alle Suchmaschinenseiten zusammen. Ohne Voyeurismus und die breitgefächerte Befriedigung wie auch immer gearteter sexueller Begehrlichkeiten wäre das gesamte Internet noch in den Kinderschuhen. Denn: Niemand sonst pumpte so viel Geld in den Aufbau von originärem (und ordinären) Webcontent sowie der dahinterstehenden, leistungsstarken technischen Infrastruktur, wie die webaffinen Larry Flynts dieser Welt.
Begattungen mit räumlicher Tiefe
Jetzt geht es mit enthemmtem Leibeseinsatz einem neuen Medium an die Wäsche: 3D-Filme. Ein Hong Konger-Studio kündigte nun an, dass man an einem Remake des Steifen-Streifens “Sex and Zen” aus dem Jahr 1991 arbeite. Der in kantonesisch gedrehte Film wird laut Produzent Stephen Shiu Jr. nicht nur durch seinen großen Anteil an Handlung begeistern (für Pornos eher ungewöhntlich), sondern auch durch ungeahnten Detailreichtum: “Es wird viele Nahaufnahmen geben. Es wird aussehen, als seien die Darstellerinnen nur wenige Zentimeter von den Zuschauern entfernt.”
Damit das Ganze im April über-real in chinesische Kinosäle flimmern kann, wurde eine Hong Konger Special Effects-Firma, die bereits an Blockbustern wie Burtons “Nightmare before Christmas 3D” mitarbeitete, mit der Realisierung der 3D-Szenen betraut. Auch wenn sich Shiu Junior in Erwartung gewaltiger Umsätze schon die Hände reibt, gibt er doch zu, dass nicht alle von dem angestrebten Detailreichtum in der dritten Dimension begeistert sind: Bislang konnte noch kein männlicher Hauptdarsteller verpflichtet werden, der für eine derart porentiefe Leinwandpräsenz zu gewinnen gewesen wäre.
Wie der Leinwand-Liebesreigen auch ausgehen mag: Wir dürfen gespannt sein, ob Porno auch diesmal wieder einem Medium zum Durchbruch verhelfen wird. Immerhin haben auch die Hollywood Filmstudios Walt Disney, Paramount, 20th Century Fox, Universal und Lions Gate für 2009 einige 3D-Eisen im Feuer – allerdings alle mit deutlich weniger Freikörperkultur.
Bild ©:: Flickr (CC); Montage: Trendpiraten




















26. Januar 2009 um 22:27 Uhr
Phantastisch. Besonders der Satz “[...] durch seinen großen Anteil an Handlung begeistern (für Pornos eher ungewöhntlich)” hat mich begeistert. Hier spricht offenbar ein Mann (?) mit einschlägiger Erfahrung.
Nee, im Ernst: die Kolben des Innovationsmotors “Erotik” laufen gut geschmiert. Wie bisher. Wie wahr.
27. Januar 2009 um 10:49 Uhr
Natürlich, ich habe den Niedergang der handlungsgetriebenen, auf Film festgehaltenen Erwachsenenunterhaltung miterlebt. Habe gesehen, wie liebevolle Kleinode der Erotikschaffenden wie “Miami Spice” auf Videotape festgehaltenen Schnellergüssen neuerer Machart weichen mussten. Schrecklich! Naja, heutzutage muss man wenigstens nicht mehr so lange spulen.