12. Januar 2009 - 18:13 Uhr
greenweb

Grün, grün, grün

Computer sind doof. Und absolute Klima-Killer. Die moderne Informationstechnologie – also Webserver, PCs, Hubs, Switches und Co. – setzt inzwischen mehr schädliches CO2 frei als die gesamte Luftfahrtindustrie – bald wird ihr Anteil am weltweiten CO2-Ausstoßes sogar auf satte 10 Prozent anwachsen. Da muss man was machen! Die Amerikaner, bzw. deren oberster Häuptling a.D., sind bisher nicht gerade als Klima-Retter berühmt. Doch Enernetics, Inc. – ein Startup von der Ostküste – will dem alten Europa zeigen, woher der Wind nun weht. Change? Yes, we can.

Enernetics hat eine verdammt schlaue Software namens CO2Stats entwickelt. Und diese schaut sich sehr genau an, wie es mit der Klima-Bilanz eines Webauftritts bestellt ist. Da wird nicht nur gemessen, was der Webserver so an Strom verballert, sondern auch, wie die aufrufenden Rechner so drauf sind – energiemäßig, versteht sich. Doch nicht nur das: Die Software „erfühlt” auch, aus welchem Rohstoff der Strom für Server, PC und Netzwerk gewonnen wurde – angeblich hängt da eine allwissende Datenbank dran, die sämtliche Energiewerte diverser Geräte enthält (Eigenwerbung Enernetics).

Das Prinzip der Umwelt-Plakette à la CO2Stats ist recht simpel: Anhand des ermittelten Gesamtenergieverbrauchs wird gecheckt, wie hoch der Anteil dabei an fossilen – also bösen – Energieträgern war. Ein ebenso großer Anteil wird nun aus zertifizierter Windenergie oder Solarstrom gekauft und dem Stromnetz eingespeist. Die CO2-Bilanz wäre damit sauber.

Haken an der Sache: Am Energieverbrauch selber ändert sich ja erst mal nichts – man kauft sich quasi ein grünes Gewissen. Aber Enernetics, Inc. hat auch hier vorgesorgt: Die Software gibt Tipps, wie man die Energiebilanz der Website zusätzlich durch schnellere Seitenauslieferung minimiert. Ich würde mal sagen, so als Laie: Flash raus, Javascript aus, keine Bilder. Nur Text. Lang lebe Lynx!

In diesem Zusammenhang: Google ist ja auch eine textbasierte Suchmaschine. Und die hat’s CO2-mäßig so richtig in sich. Die Kollegen vom TechRadar haben die Zahlen eines Harvard-Professors dokumentiert (nebenbei: die ehrfürchtige Hochschule trägt stolz das Klima-Siegel von Enernetics). Eine einzige Suchabfrage bei Google setzt angeblich 7g CO2 frei. Bei rund 200 Mio. Anfragen am Tag machen das 140.000 kg CO2 pro Tag. Zum Vergleich: Laut EU-Vorgabe soll der CO2-Ausstoß von KFZ nicht mehr als 140 g/km betragen. Setzt man das in Relation, dann fährt das Google-Mobil unglaubliche 1.0 Mio. Kilometer  – am Tag.

Sagte nicht mal jemand: Google ist böse?
Was ich vergaß zu sagen: Enernetics sucht noch Reseller für ihre Wundersoftware. Ein Schelm, wer böses dabei denkt…

Geschrieben von MIB \\ Tags: , , , , , ,

2 Kommentare zu “CO2Stats – Die Umwelt-Plakette für den Webserver”

cb sagt:

Vielen Dank für diesen Beitrag – bin gerade zum ersten Mal auf dieses Zeichen (Logo) bei der Uni Witten gestoßen- Doch – erlaubt sei die Frage – wie ist das Geschäftsmodel? Bisher finde ich bei CO2 Stats nur die Möglichkeit meine url zu platzieren – aber nirgendwo steht – es kostet nichts oder etwas?- Ja wie ist das nun – gibt es dazu weitere Info´s bei Euch – MERCI!

qnoo sagt:

Sorry, zu dem Geschäftsmodel von Enernetics, Inc können wir auch nichts weiteres sagen.

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